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Vom Prag bis Berlin

Prag ist Rilkes Geburtsort, aber nicht seine Heimat.

>> Nur werden wir nicht in unsere Heimat geboren, und mir scheint sogar, als ob alles Große immer aus diesem Verlangen gekommen wäre, sie irgendwo zu finden- offen und festlich und wie wartend unserer Wiederkehr! <<

Fast alle Rilkes Aufenthaltsländer waren seine Heimat, obwohl seine Gefühle für manche Länder wie beispielsweise Russland so groß waren.

An Leopold von Schlözer schreibt er:

>> Was verdankt ich Rußland-, es hat mich zu dem gemacht, was ich bin, von dort ging ich innerlich aus, alle Heimat meines Instinkts, all mein Innerer Ursprung ist dort! <<

Schon als kleines Kind musste Rilke eine außergewöhnliches Kindheit durchstehen.
Er schreibt am 3.April 1903 an Ellen Key: Mein Kindheitsheim war eine enge Mietswohnung in Prag ... unser kleiner Hausstand, der in Wirklichkeit kleinbürgerlich war, sollte den Schein von Fülle haben, unsere Kleider sollten die Menschen täuschen und gewisse Lügen galten als selbstverständlich.

Am 04. Dezember 1894 Schreibt Rilke an Valery... Du weißt dass ich einen großen Teil des Tages einer gewissensarmen und sittenlosen Dienstmagd überlassen war und dass diejenige Frau, deren erste und nächstliegende Sorge ich hätte sein sollen, mich nur liebte, wo es galt, mich in einem neuen Kleidchen vor ein Paar staunenden Bekannten aufzuführen. Du weiß wie ich mit wechselndem Erfolge die Volksschule der Piaristen absolvierte- und ein dummer Knabe, - in der Hauptallee des Baumgartens über mein eigenes Schicksal mit einem kindischen Worte entschied. Wenn mir im Vaterhause die Liebe nur vonseiten meines Papas zugleich mit Sorgfalt und Fürsorge genug entgegengebracht. Ich im allgemeinen ganz auf mich selbst angewiesen war und meine kleinen Leiden und kurzen Wonnen  meist  niemandem  zutheil  werden lassen  konnte, so ward mir in der neuen Phase  meines  jungen  Lebens  jene  feige, unverhüllte Herzlosigkeit sehr wohl bekannt, welche selbst vor Misshandlungen aus  reinem  bestialischem Mordtriebe : / der Ausdruck ist nicht zu stark / : nicht zurückschreckt. Mein Herz durch die Einsamkeit meiner frühesten Tage ohnehin zu stiller Duldung und muthiger Entsagung geneigt. bebte beim Anblicke dieser Ungerechtigkeiten, und ertrug mit einer diesem Alter uneigenen Ergebung die Qualen jener Behandlung. Ja, ertrug sie.- Du nennst mich oft idealistisch.- Liebste Vally, wenn ich das jetzt noch bin, gedenke welches reine Fühlen in der kleinen Seele geleuchtet haben muss, die immer in sich selbst verloren, schon den einfachen, heiteren, schuldlosen Spielen toller Buben in der Volksschule abhold gewesen; und erwäge weiter, mein Lieb, wie schrecklich der Ansturm so wilder, unverdienter Rohheiten in dem unenthweihten Heiligthum des kindlichen Gemüthes widerhallt haben muss. Was ich damals erlitt es lässt mit dem ärgsten Weh der Welt vergleichen, obwohl ich ein Kind war, oder vielmehr weil ich es war. Weil mir nicht die Kraft war des widerstandes und nicht die Fülle geklärter Vernunft um darin gemeine Büberei und nichts mehr zu erkennen. Ich duldete Schläge, ohne je einen Schlag erwidert oder wenigstens mit einem bösen Worte vergolten zu haben, ich litt und trug. Ich glaubte der wille eines unentlichen, unwandelbaren Schicksals verlange von mir diese heroische Duldsamkeit,- hätte ich gewusst, erkannt, das es statt dieses unabwendbaren Geschickes nur die Laune eines vergnügungssüchtigen, erbärmlichen Wesens war...........Wo ahnte ich das !-

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